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Alterspsychiatrie BS und BL

Monatsveranstaltung vom 9. Dezember 2017

Alterspsychiatrie: Möglichkeiten und Perspektiven in der Region
Nach dem heiter-nachdenklichen Jahresausklang mit Mani Matter widmete sich die erste Monatsveranstaltung 2017 vom 9. Januar wieder einem weniger heiteren Thema. Dass mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung auch die psychischen Erkrankungen im Alter immer häufiger werden, liegt nahe. Der wiederum sehr starke Aufmarsch zeigte, dass das Thema als Problem erkannt ist und auf breites Interesse stösst: Über 100 Interessierte fanden den Weg ins QuBa. Natürlich hat das auch mit der Qualifikation der Referenten zu tun, der beiden führenden Köpfe in der Alterspsychiatrie in beiden Basel: Prof.Thomas Leyhe ist ärztlicher Leiter des Zentrums für Alterspychiatrie in den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel-Stadt (UKPBS) und seit 1. Januar 2017 auch ärztlicher Leiter des zweiten alterspsychiatrischen Standortes im Felix Platter-Spital. Dr.Harald Gregor seinerseits ist seit Frühjahr 2015 Chefarzt des Zentrums für Alterspsychiatrie der Psychiatrie Baselland (vgl.seinen Beitrag „Hilfe gegen die Depression im Alter“ in der Pantherpost V/2015, einsehbar auf unserer Homepage grauepanther.ch, Unsere Medien).

Demenz, Depression, Sucht
Die Demenz nimmt zu, wie Thomas Leyhe einleitend zur Situation sagte. In Basel-Stadt sind derzeit knapp 4000 Menschen erkrankt, wobei der Anstieg etwas weniger steil ausfällt als im Rest der Welt. Doch die Demenz ist keineswegs das einzige Thema. Viele ältere Leute leiden an Depressionen. Ihre Symptome sind vielfältig und werden oft nicht recht erkannt, die Betroffenen sind darum „untertherapiert“. Eine der Folgen: Die Suizidrate vor allem bei Männern steigt im hohen Alter massiv an. Bei Depressionen steigt auch das Demenzrisiko. Auch die Suchtprobleme nehmen bei älteren Leuten zu, am häufigsten wegen Alkohol und Medikamenten.
Bei den im Zentrum für Alterspsychiatrie in Basel behandelten Störungsbildern sind Demenz, Suchterkrankung, Psychose (Schizophrenie), affektive Störungen (u.a.Depression) am häufigsten. Das Zentrum verfügt über insgesamt 46 stationäre Betten, dazu ambulante Dienste, auch im Bereich Psychotherapie, so etwa eine ambulante Depressionsgruppe.

Kooperation
Die UKPBS und das Felix-Platter-Spital haben kürzlich eine enge Zusammenarbeit in der Alterspsychiatrie beschlossen, sie ist in Kraft seit Anfang Jahr. Ziel: Alterspsychiatrie aus einer Hand an zwei Standorten. Im FPS besteht seit 1986 die sehr bekannte Memory Clinic mit weiter auszubauendem Schwerpunkt Demenzabklärungen. Reversible Ursachen sollen möglichst früh erkannt werden, sagt Leyhe; bei irreversiblen Ursachen sind geeignete Behandlungs- und Unterstützungsmassnahmen zu ergreifen. Die Abklärung erfolgt meist in mehreren Schritten, von neuropsychologischer Untersuchung bis zur Blutanalyse.
Zu den Zielen gehört gemäss Leyhe ebenso die bessere Verzahnung der ambulanten Angebote beider Einrichtungen. Wichtig für ihn ist die Koordination mit den Alters- und Pflegeheimen, nämlich die ambulante konsiliarische Betreuung von akut Erkrankten in den Heimen.

Die Weiterentwicklung der alterspsychiatrischen Angebote soll nun gemeinsam erfolgen.
•    FPS: Ausbau der stationären Alterspsychiatrie mit Schwerpunkten Demenz und Delir (Delir: akute Hirnerkrankungen).
•    UPK: Ausbau der stationären Abteilungen, Schwerpunkte Sucht und Psychose älterer Menschen.

Eine besondere Aufgabe besteht laut Leyhe darin, jene Leute zu erreichen, die eher nicht von selber in die Kliniken kommen; die Hausärzte sollen einbezogen werden. Gregor bestätigt, dass dies auch im Baselbiet ein Problem bildet.

Grosses Einzugsgebiet
Im Kanton Baselland ist ein grosser Einzugsbereich zu versorgen, erläuterte Harald Gregor. Deshalb habe man verschiedene Standorte aufgebaut, vor allem in Liestal, Münchenstein, Bruderholz. Die ambulanten und die stationären Angebote wurden im September 2015 organisatorisch zusammengelegt.

Das Zentrum für Alterspsychiatrie in Liestal hat folgende Schwerpunkte: Demenz (die Demenzkranken machen fast die Hälfte der Patienten aus), Depressionen, affektive Störungen, Sucht und Persönlichkeitsstörungen. Behandlung, Beratung, Abklärungen, sozialpsychiatrisches Management, tagesklinische Behandlungen lauten hier die Stichworte. Rund 26000 alterspsychiatrische Pflegetage wurden 2016 im Baselbiet verzeichnet. Dabei lag die Bettenbelegung bei fast 95%, es gab also eine starke Inanspruchnahme, erläuterte Gregor.

Die ambulanten Leistungen sind vielfältig: Behandlungen, Beratung von Angehörigen, Abklärungen (auf Wunsch auch zu Hause) , gemeindenahe sozialpsychatrische Versorgung, psychiatrische Sprechstunde beim Hausarzt (laut Gregor gut etabliert, aber derzeit nur im Oberbaselbiet). Der Ausbau sei im Gang, aber schwierig wegen begrenzter Ressourcen. Die Tagesklinik II in Liestal steht z.B. Depressiven offen.

Diskussion
Einige Beispiel aus dem Strauss der Fragen:


Wohin wende ich mich im Bedarfsfall in BL?
Am besten bei der Zentralen Aufnahme ZA im ZAP Liestal (24h). Tel.061 553 56 56.

Was sind sind gemeindenahe psychiatrische Dienste?
Das sind Teams, die auch können nach Hause kommen für Abklärungen, erreichbar auch über 061/553 56 56.
Traumatisierte Flüchtlinge: in BL wird eine sog.Trauma-Ambulanz aufgebaut; in Basel gibt es eine Einrichtung für transkulturelle Psychiatrie.
Martin Matter

Links Basel-Stadt
http://www.upkbs.ch/patienten/ambulantes-angebot/erwachsene/alterspsychiatrie

http://www.upkbs.ch/patienten/stationaeres-angebot/erwachsene/alterspsychiatrie

https://www.memoryclinic.ch/de/footer/unser-angebot/ambulante-abklaerungen/

https://www.memoryclinic.ch/de/footer/unser-angebot/psychosoziale-unterstuetzung/

Links Baselland:
http://www.pbl.ch/home/erwachsenenpsychiatrie/alterspsychiatrie/ambulante-leistungen/

http://www.pbl.ch/home/erwachsenenpsychiatrie/alterspsychiatrie/stationaere-leistungen/

 

 

Anhänge:
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